[Grundsätzliches] [Schutz] [Wasser] [Feuer]

Grundsätzliches


Tipps und Tricks hört sich nach "leichten und schnellen" Lösungen an. Falls man jedoch in eine ungewohnte Situation kommt, dazu noch seine Ausrüstung nicht kennt oder nur unzulänglich damit umgehen kann, sind diese Lösungen nicht mehr so "leicht und schnell". Zu dem eigentlichen Wissen kommt daher viel Übung, wie bei einem Musiker, der sein Instrument beherrscht und spielt ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

Als erstes soll die sogenannte Sacred Order (nach Tom Brown Jr.) oder die sogenannte Dreierregel Erwähnung finden. Hierbei handelt es sich um die Prioritäten in einer "Notsituation". Beispielsweise ist man mit wenig oder ohne Ausrüstung im Frühjahr abseits der Wege unterwegs und fällt in einen Fluss, das Wetter schlägt um oder es wird schneller dunkel als man erwartet. Sollte man vielleicht noch ein funktionsfähiges Handy haben, kann man auf Hilfe hoffen. Ist man jedoch auf sich allein gestellt, können solche Dinge auch in Mitteleuropa für jemand Ungeübten zu einem Problem werden.

Was nun?          Keine Panik!

Man muss lernen sein Wissen und das Geübte ruhig und bestimmt anzuwenden, wie man im Fluss anfängt zu schwimmen und nicht wild zu strampeln.

Die Dreierregel besagt nun, wie lange man ohne eine Ressource auskommt, bevor der Körper kritische Mängel zeigt und fatalen Schaden nimmt. Die folgenden Werte sind Richtwerte und von verschiedensten Faktoren abhängig, z.B körperliche Verfassung, Bewegung oder Umgebung. Es können also bereits vorher schwere Schäden entstehen:

  • 3 Minuten ohne Luft
  • 3 Stunden in Kälte oder Hitze
    beispielsweise drei Stunden unter einer kalten Dusche oder in der Sauna
  • 3 Tage ohne Wasser
    bereits vorher körperliche Leiden, wie Kopfschmerzen, ab drei Tagen meist sehr kritisch
  • 3 Wochen ohne Nahrung
    vorher bereits Abgeschlafftheit und Magenschmerzen, klar von der eigenen körperlichen Konstitution abhängig

Die Sacred Order sagt daher:

  1. Schutz/Unterkunft, um nicht zu erfrieren oder Schatten zu haben
  2. Wasser, um nicht zu verdursten
  3. Feuer, als Wärme, Licht oder für die Wasserentkeimung
  4. Nahrung, weil man eben Hunger bekommt ;)

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Schutz und Unterkunft

Schutz fängt mit der Kleidung an, wobei immer das sogenannte Zwiebelprinzip zu beachten ist:

  • Man trägt mehrere Schichten Kleidung (mindestens drei)
  • dünne Kleidung nahe am Körper, dickere weiter nach außen
  • als Letztes ein Nässe- oder Windschutz

WinterlageplatzAllerdings muss man darauf achten, dass die inneren Lagen durch Schweiß nicht zu feucht werden. Ist es zu warm, zieht man unnötige Schichten aus, ist es zu kalt, kann man beispielsweise trockenes Laub oder Papier zwischen zwei Schichten stopfen. Reicht selbst dies nicht mehr aus, folgt die behelfsmäßige Unterkunft. Die Lagerplatzauswahl ist ein anderes Thema, kurz: trocken und ebenerdig, darüber darf kein Totholz hängen

laubbett_reisigDie Ponchounterkunft bietet schnell und einfach Schutz vor Regen und Wind. Dazu wird ein Regenponcho über die Diagonale möglichst tief von einem Baum zum Boden gespannt. Die beiden losen Ecken werden über die Seite/Kante am Boden entlang gespannt und befestigt. Nimmt man sich ein DIN A4 Blatt zur Hand, kann man es gut veranschaulichen. Für Isolierung wird die Unterkunft besonders am Rand und Boden mit recht trockenem Laub und dazwischen Schichten aus Reisig ausfüllt, um vor Bodenkälte und Windchill geschützt zu sein.

Laubbett_gesamtlaubhuettegeruest_seiteOhne Hilfsmittel lässt sich eine Laubhütte errichten. Dazu muss ein gerader, starker Hauptbalken, etwa doppelte Körpergröße gefunden werden. Dieser wird von zwei beinlangen Stützen gehalten oder an einem Baum befestigt.
An die Seiten des Balkens müssen nun kleine Äste gestellt werden.

LaubhuetteDaraufhin wird die gesamte Konstruktion armtief (der Arm muss verschwinden) mit Laub bedeckt. So wird sie wind- und wasserdicht. Der Innenraum wird ebenfalls mit Laub und Reisig ausgefüllt, dass jeder Igel neidisch wird. Bei der Konstruktion der Tür sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, vielleicht hängt man auch seine Jacke davor. Man sollte auf keinen Fall auf eine Tür verzichten, da sonst die Hütte nicht ordentlich aufgewärmt wird.

unterkunft_schema

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Wasser

Man kann zu diesem Thema ganze Bücher verfassen, denn Wasser ist Grundlage allen Lebens. Doch schon immer war es mit Keimen und anderen Organismen durchsetzt. Durch den modernen Menschen kommen noch Chemikalien und andere Abfälle hinzu. Hier in Mitteleuropa ist die Wasserqualität mittlerweile wieder recht gut. Abwasser wird geklärt etc.. Überall gibt es Bäche oder gar öffentliche Brunnen. Doch hier leben an Flüssen und Bächen Ratten, Füchse, Bisam usw, welche Parasiten und Krankheiten verbreiten können. Somit sollte man also Trinkwasser immer nur behandelt zu sich nehmen, falls man nicht neben einer Bergquelle oder einem Trinkwasserbrunnen steht.

Unter Behandeln kann man Verschiedenes nennen, hier drei Arten:

  • Abkochen - Durch ein Erhitzen des Wassers auf 100°C (Kochen) für zehn Minuten wird das Wasser keimarm. Es ist jetzt trinkbar, abgesehen von Chemikalien und Schwebestoffen. Allerdings benötigt man ein Gefäß und Hitze, meist in Form eines Feuers.
  • Chemische Entkeimung - Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen (Chlor, ...). Die Anwendung ist meist einfach: Rein ins klare Wasser, warten, fertig, muss man aber mitbringen. Außerdem haben viele Mittel einen Geschmack, der nicht jedermanns Sache ist und begrenzte Haltbarkeit.
  • Wasserfilter - Diese kann man entweder käuflich erwerben oder selbst improvisieren. Selbstgebaute "Survival" Varaianten werden allerdings nie die Ergebnisse von Filtern mit Membrantechnik erzielen, welche sogar Giardien herausfiltern, sondern lediglich klares Wasser liefern, dass man besser zusätzlich abkocht.

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Feuer

Die Auswahl der Feuerstelle ist sehr wichtig, denn Feuer kann sehr zerstörerisch wirken. Es seien hier vier Gefahren genannt:

  • Ist der Boden aus Torf, Sand oder Lehm, feucht oder trocken? Torf kann unterirdisch weiter brennen und so von einem Schwelbrand in einen Waldbrand umschlagen.
  • Trockenes Laub, Gras oder Nadeln der Umgebung können sich entzünden, allein schon durch die Hitze.
  • Gibt es Wurzeln im Boden oder Äste, die über das Feuer ragen? Diese können ebenfalls Feuer fangen.
  • Heißer Sandstein oder Flusssteine, die vielleicht Wassereinschlüsse haben, können explodieren.

Brennholz, Zunder, ReisigEs gibt VIELE Möglichkeiten ein Feuer zu entzünden, Streichholz, Feuerstahl, Drillbogen usw.. Jeder muss selbst entscheiden, was zu ihm passt oder was er gerade üben möchte. Dennoch nutzt es nichts, wenn man das eine Streichholz, das man hat, versucht an einen Baum zu halten oder mit dem Feuerstahl Funken auf einen Ast wirft.
Der Feueraufbau ist entscheidend. Man muss von Klein nach Groß aufbauen:

  1. Zunder: leicht flammbares Material (brennt sofort hell, aber kurzzeitig)
  2. Reisig: kleine, streichholzdicke, trockene Äste (brennt länger, kaum Kohle)
  3. Brennmaterial: fingerdickes, trockenes Holz (schwer anzufachen, höherer Brennwert)

Dies kann man entweder vorher schon aufbauen, beispielsweise als Tipi (s.Video), oder man legt es sich zu Seite und kann nach und nach Zunder Reisig und Holz auflegen. Wichtig: Normalerweise brennt Feuer von unten nach oben.

Egal was man nun an Flamme in diese Konstruktion hält oder dazulegt, es wird sich normalerweise entzünden. Natürlich kommt es auch noch auf die äußeren Umstände an (Regen, Wind, ...), doch bei guter Vorbereitung genügt ein Streichholz  oder ein Stück Birkenrinde und ein Feuerstahl(kleiner Tipp: immer mindestens zwei verschiedene Arten Feuer zu machen dabei haben).


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